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IW-Studie zeigt Bayerns Standortstärke

Bayern dominiert im Standort-Ranking: Diese Region überrascht mit Platz 3

Der aktuelle Standortvergleich des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt erneut eine auffällige Konzentration wirtschaftsstarker Regionen im Freistaat. Während der Raum München die Spitzenpositionen verteidigt, rückt ein Landkreis in der Oberpfalz besonders in den Fokus: Tirschenreuth erreicht Platz 3 – und gehört zugleich zu den dynamischsten Aufsteigern seit Beginn der Auswertung im Jahr 2016.

Das IW vergleicht dafür regelmäßig 400 Regionen und kreisfreie Städte in Deutschland. Bewertet werden nicht nur klassische Kennzahlen wie wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, sondern auch Faktoren, die darüber entscheiden, ob Menschen und Unternehmen dauerhaft bleiben oder zuziehen: etwa die Ärzteversorgung und der Anteil naturnäherer Flächen. Diese „weichen“ Standortmerkmale sind in der Praxis mehr als Beiwerk – sie beeinflussen, wie attraktiv eine Region für Fachkräfte ist und wie gut sie demografische und strukturelle Umbrüche abfedern kann.

München bleibt an der Spitze – Bayern stellt viele Top-Regionen

An der Spitze des Rankings steht erneut der Landkreis München. Auf Platz 2 folgt die Landeshauptstadt München, die zuvor Rang 3 belegt hatte. Ebenfalls in der Spitzengruppe liegen:

  • Landkreis München (Platz 1)
  • Landeshauptstadt München (Platz 2)
  • Starnberg (Platz 5)
  • Erlangen-Höchstadt (Platz 8)
  • Miesbach (Platz 9)
  • Ebersberg (Platz 10)

Ein zentrales Signal der Studie: Elf der 20 stärksten Regionen Deutschlands liegen in Bayern. Das spricht weniger für ein einzelnes Erfolgsmodell als für eine breite Stärke, die sich über mehrere Räume verteilt – von hochverdichteten Zentren bis hin zu Landkreisen mit industriellem Mittelstand.

Tirschenreuth auf Platz 3: Aufstieg durch industrielle Breite und finanzielle Spielräume

Besonders auffällig ist der Sprung des Landkreises Tirschenreuth: In der absoluten Wertung steht der Kreis auf Rang 3. Zudem bescheinigen die Studienautoren der Region die drittgrößte Dynamik seit 2016.

Für die Entwicklung nennen die Autoren mehrere Faktoren, die zusammen ein klares Muster ergeben:

  • Starke Einzelunternehmen und eine ungewöhnlich breite industrielle Basis, die Abhängigkeiten reduziert und Stabilität schafft.
  • Bundesweit höchstes gemeindliches Steueraufkommen pro Kopf trotz günstiger Gewerbesteuersätze, was Spielräume für Infrastruktur, Schulen und Digitalisierung eröffnet.

Studienautorin Vanessa Hünnemeyer, die bei IW Consult im Bereich regionale Entwicklung und Standortfaktoren arbeitet, beschreibt einen weiteren Teil des Strukturwandels: In den vergangenen Jahren haben sich in der Region vermehrt Leitungs- und Entwicklungsbereiche angesiedelt. Das deutet auf eine Aufwertung innerhalb der Wertschöpfung hin – weg von reiner Fertigung, hin zu Planung, Forschung und Management.

Beispiele für Investitionen und Unternehmen in Tirschenreuth:

  • Siemens Healthineers in Kemnath (zweistellige Millionensummen)
  • Spezialglashersteller Schott in Mitterteich
  • Branchen wie Kunststoff- und Holzverarbeitung
  • Fleischwarenanbieter Ponnath in Kemnath

Warum Bayern im Vergleich vorn bleibt – und wo Risiken sichtbar werden

In der Gesamteinordnung sehen die Studienautoren Bayern wirtschaftlich breiter aufgestellt als andere Bundesländer. Selbst Baden-Württemberg, traditionell ebenfalls stark, sei in den vergangenen Jahren etwas zurückgefallen. Als Hintergrund verweisen die Autoren auf eine stärkere Fokussierung Baden-Württembergs auf Branchen wie die Autoindustrie.

Auch Bayern ist von den Problemen der Autobranche betroffen. Der Unterschied liegt in der größeren Vielfalt bedeutender Industrien: Neben automotiven Wertschöpfungsketten spielen Luft- und Raumfahrt sowie Medizintechnik eine größere Rolle. Das reduziert Risiken, indem die Abhängigkeit von einem einzelnen Strukturbruch gemildert wird.

Dass die Spitzengruppe nicht nur aus Bayern besteht, zeigen auch Frankfurt am Main (Platz 4) und der Main-Taunus-Kreis (Platz 6). Das unterstreicht die Bedeutung einzelner Metropolräume und macht zugleich sichtbar, wie stark Bayern im Gesamtbild vertreten ist.

Nicht alle Regionen im Freistaat profitieren gleichermaßen

Die Studie zeichnet allerdings kein einheitliches Bayern-Bild. Es gibt auch Regionen, die an Attraktivität verloren haben. Ein Beispiel ist der Landkreis Dingolfing-Landau: Zwar liegt er weiterhin auf Platz 52 von 400, ist im Ranking zuletzt aber deutlich abgerutscht.

Als ein Faktor wird der Abbau von rund 2.000 Zeitarbeitsstellen bei BMW in Dingolfing seit der letzten IW-Studie genannt. Solche Veränderungen machen in Rankings oft den Unterschied.

Weitere Beispiele für Regionen mit Rückgang in der unteren Hälfte des Rankings:

  • Landkreis Wunsiedel (Platz 220)
  • Landkreis Hof (Platz 238)
  • Stadt Hof (Platz 329)

Unterm Strich bleibt die Kernaussage der IW-Auswertung klar: Bayern stellt weiterhin eine außergewöhnlich große Zahl an Top-Regionen – getragen von wirtschaftlicher Vielfalt und leistungsfähigen Zentren. Gleichzeitig zeigt das Ranking, wie stark die Entwicklung innerhalb des Freistaats auseinanderlaufen kann: Dort, wo industrielle Breite, Steuerkraft und höherwertige Funktionen zusammenkommen, steigen Regionen auf. Wo Abhängigkeiten größer sind, können einzelne Einschnitte deutlichere Spuren hinterlassen.

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