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Lizenzentzug verschärft die Krise bei 1860

1860 München stürzt in die Regionalliga – wie real ist jetzt die Insolvenzgefahr?

Der TSV 1860 München wird in der kommenden Saison nicht in der 3. Liga antreten. Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) bestätigte am 03.06.2026, dass dem Klub die Zulassung zur 3. Liga für 2026/27 wegen eines nicht fristgerecht erbrachten Liquiditätsnachweises verweigert wurde. Damit ist der sportliche Abstieg in die Regionalliga Bayern faktisch besiegelt – mit weitreichenden Folgen für die ohnehin fragile Finanzlage.

Im Kern geht es um eine Finanzierungslücke von 2,7 Millionen Euro. Dieses Geld ist nicht rechtzeitig nachgewiesen worden. Der Verein stellt den Zusammenhang zur ausgebliebenen Finanzierungszusage aus dem Umfeld des Gesellschafters HAM International Limited her; auf der offiziellen TSV-1860-Seite heißt es, die Lizenz sei gerade deshalb nicht erteilt worden, weil die zugesagte Finanzierung nicht vorgelegen habe. Zusätzlich belastet die Eskalation im Verhältnis zum Investor: Der Klub teilte mit, dass am 21. Mai 2026 bestehende Darlehen durch HAM International Limited gekündigt worden seien – nach Vereinsdarstellung abrupt und ohne Vorwarnung, verbunden mit einem umfangreichen Forderungskatalog. Der TSV kündigte in diesem Zusammenhang rechtliche Schritte an und lässt prüfen, ob die Kündigung wirksam ist.

Die letzte Rettung scheitert trotz intensiver Verhandlungen

Bis zuletzt wurde hinter den Kulissen an einer Lösung gearbeitet, um den Lizenzentzug doch noch abzuwenden. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch liefen Verhandlungen zwischen den beteiligten Seiten; bis Mittwoch, 14.30 Uhr, seien rund 150 E-Mails ausgetauscht worden. Nach Informationen der Bild sollen dabei auch Experten für Insolvenzrecht eingebunden gewesen sein – ein Hinweis darauf, wie ernst die Lage im Endspurt des Lizenzierungsverfahrens bereits eingeschätzt wurde.

Sportlich war 1860 München nicht das Problemfall-Szenario: Für die 3. Liga zählt neben der Qualifikation vor allem die wirtschaftliche und technische Leistungsfähigkeit. Genau dort riss die Kette. Der TSV führt in seiner offiziellen Darstellung aus, dass der entscheidende Liquiditätsnachweis nicht fristgerecht erbracht werden konnte, nachdem eine Finanzierungszusage aus dem Umfeld von HAM International nicht vorlag. Der BFV verweist in seinem Statement ebenfalls auf den nicht rechtzeitig erbrachten Liquiditätsnachweis als Grund der verweigerten Zulassung.

Klubführung kritisiert ausgebliebene Finanzierungszusage

Entsprechend deutlich fiel die Reaktion der Klubspitze aus.

Gernot Mang, Präsident des Muttervereins, erklärte: „Diese Entwicklung ist besonders enttäuschend, da sowohl die Geschäftsführung als auch die Vertreter des Muttervereins auf die Einhaltung der getroffenen Zusage vertraut haben. Wir haben uns als Vereinsvertreter immer kompromissbereit gezeigt, können uns aber nicht über satzungs- und verbandsrechtliche Vorgaben hinwegsetzen.“

Manfred Paula, Geschäftsführer der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA, sagte: „Ich bedauere die Nichteinhaltung der Finanzierungszusage durch den Gesellschafter HAM International. Bis zuletzt war ich fest davon überzeugt, dass eine Lösung im Interesse der Profifußball-Gesellschaft gefunden werden kann. Dieser Wunsch hat sich leider nicht erfüllt. Wir werden nun all unsere Energie darauf verwenden, einen schlagkräftigen Kader für die kommende Saison in der Regionalliga Bayern aufzustellen.“

Die Aussagen markieren einen zentralen Punkt der Krise: Im Lizenzfußball entscheidet nicht, wer am lautesten Rettung einfordert, sondern wer die Zahlen fristgerecht belastbar nachweisen kann. Wenn zugesagte Mittel ausbleiben oder kurzfristig entzogen werden, kippt eine Fortführungsplanung innerhalb weniger Tage – selbst dann, wenn der Spielbetrieb sportlich gesichert wäre.

Nach dem Absturz bleibt auch die Regionalliga-Finanzierung offen

Mit dem Gang in die Regionalliga ist die Problemlage nicht erledigt, sondern verlagert sich. Für den Spielbetrieb in der Regionalliga Bayern wird nach den vorliegenden Angaben rund 1 Million Euro benötigt. Ob diese Summe bereitgestellt wird, ist offen.

Hier liegt das eigentliche Insolvenzrisiko: Die Insolvenz wäre kein Automatismus des Abstiegs, sondern das Ergebnis einer erneuten Finanzierungslücke. Bleibt auch die Finanzierung für die Regionalliga aus, könnte der Klub zahlungsunfähig werden und müsste prüfen (lassen), ob ein Insolvenzverfahren unvermeidbar ist. Dass in den jüngsten Verhandlungen offenbar bereits insolvenzrechtliche Expertise eine Rolle spielte, unterstreicht, wie eng der Handlungskorridor geworden ist.

Hinzu kommt die strukturelle Unsicherheit auf Gesellschafterebene. Der Investor Hasan Ismaik beziehungsweise HAM International ist seit Jahren prägend, der Klub beschreibt HAM International zudem als Akteur mit maßgeblichem Einfluss in den Gremien. Gleichzeitig steht ein Verkauf von Anteilen im Raum: Nach den vorliegenden Angaben versucht Ismaik seit rund einem Jahr, seine 60 Prozent zu veräußern (davon 49 Prozent stimmberechtigt); als zuletzt genannter Preis stehen rund 20 Millionen Euro im Raum. Unabhängig von der Frage, wie realistisch ein kurzfristiger Deal ist, bleibt damit ein zentraler Faktor ungeklärt: Wer trägt künftig das finanzielle Risiko im Profibereich – und zu welchen Bedingungen?

Auch Thomas Hitzlsperger, der zuletzt Interesse bekundet hatte, beschrieb die Gesamtlage als schwierig: „Dass es bei Sechzig, so wie sie aktuell dastehen, nicht auf allen Ebenen ein Miteinander ist, dass es sehr, sehr kompliziert ist. Das Interesse ist da, das muss aber auch insgesamt passen, momentan ruht es erstmal. Schauen wir, wie es weitergeht.“

Für 1860 München ist damit ein doppelter Einschnitt Realität: sportlich der Neustart in der Regionalliga, wirtschaftlich die Bewährungsprobe, kurzfristig einen tragfähigen Finanzrahmen zu schließen. Die entscheidende Frage der nächsten Wochen lautet nicht mehr, ob die 3.-Liga-Lizenz noch zu retten ist – sondern ob der Klub den Regionalliga-Betrieb verlässlich absichern kann, ohne in die nächste existenzielle Eskalation zu rutschen.

Häufig gestellte Fragen

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