WM-Kader und Torwartfrage vor der Nominierung
Neuer vor WM-Comeback? Matthäus kritisiert den DFB scharf
Sportlich kann Lothar Matthäus ein WM-Comeback von Manuel Neuer nachvollziehen. Seine Kritik richtet sich vor allem gegen den Umgang des DFB mit der Torwartfrage kurz vor der offiziellen Kaderbekanntgabe.
Vor der Nominierung des deutschen WM-Kaders hat Lothar Matthäus die Kommunikation des DFB in der Torwartfrage deutlich kritisiert. Auslöser ist die Erwartung, dass Manuel Neuer bei der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko als Nummer eins eingeplant sein könnte – obwohl sich der Verband zuvor über Monate klar zu Oliver Baumann bekannt hatte. Bundestrainer Julian Nagelsmann will seinen 26-Mann-Kader am Donnerstag, 21. Mai, ab 13.00 Uhr auf dem DFB-Campus in Frankfurt am Main vorstellen; die Präsentation soll auch über den YouTube-Kanal des DFB live übertragen werden.
Die Debatte dreht sich weniger um Neuer als um den Kurs des DFB
Matthäus stellt die sportliche Qualität Neuers nicht infrage. In seiner Sky-Kolumne schrieb der Rekordnationalspieler: „Rein sportlich ist diese Überlegung für mich absolut nachvollziehbar. Was mir allerdings nicht gefällt, ist die Art und Weise der Kommunikation.“ Genau darin liegt der Kern der Debatte: weniger in der Personalie selbst als in der Frage, wie transparent und verlässlich der Verband seine Linie erklärt.
Denn die Torwartfrage ist längst auch ein Thema der Glaubwürdigkeit. Nagelsmann hatte zuletzt eine klare öffentliche Festlegung auf Neuer vermieden und im ZDF betont, er wolle zunächst das Gespräch mit allen Spielern suchen. Gleichzeitig verdichten sich Medien-Informationen, dass der 40-Jährige zur WM als Nummer eins reisen könnte – und damit ausgerechnet in einer Phase, in der die öffentliche Erwartung an Klarheit hoch ist.
Matthäus kritisiert die späte Kehrtwende
Besonders kritisch bewertet Matthäus den Umgang mit Oliver Baumann. Die „Bild“ berichtete, Nagelsmann habe den 35-Jährigen bereits angerufen und ihm mitgeteilt, dass er mit Neuer zwischen den Pfosten plane; Baumann habe demnach zugesichert, auch als Ersatzkeeper zur Verfügung zu stehen. Bestätigt ist das vom DFB bislang nicht.
Matthäus sieht darin vor allem ein Kommunikationsproblem – und nicht zwingend ein sportliches. Nagelsmann sei „einen Weg gegangen, der für ihn vielleicht der richtige war, aber unnötige Diskussionen ausgelöst hat“. Zugleich entlastete Matthäus den Bundestrainer persönlich: „Dabei mache ich ihm persönlich keinen Vorwurf – das Thema betrifft den gesamten DFB. Dort arbeiten erfahrene Verantwortliche. Solche Situationen hätte man frühzeitig vermeiden müssen.“
Brisant wird die Lage auch deshalb, weil der DFB Baumann zuvor öffentlich als Nummer eins aufgebaut hatte. In einem DFB-Interview hatte Nagelsmann gesagt: „Die Nummer eins wird Oliver Baumann sein.“ Für Matthäus ist das die Messlatte: Wer sich so eindeutig festlegt, muss eine spätere Kurskorrektur besonders sauber begründen – gerade gegenüber Fans, die Verlässlichkeit erwarten. Hinzu kommt aus seiner Sicht ein sportlicher Aspekt: Baumann habe in der WM-Qualifikation starke Leistungen gezeigt, was eine späte Kehrtwende zusätzlich erklärungsbedürftig mache.
Die Kaderbekanntgabe wird zur nächsten Bewährungsprobe
Dass die Diskussion kurz vor der offiziellen Nominierung hochkocht, erhöht den Druck auf den DFB, am Donnerstag nicht nur Namen zu nennen, sondern Entscheidungen nachvollziehbar zu erklären. Die Torwartrolle ist im Turnieralltag eine Schlüsselposition – und gerade deshalb sind klare Zuständigkeiten wichtig, auch mit Blick auf mögliche Ausfälle und die Hierarchie dahinter.
Zusätzliche Aufmerksamkeit bekommt das Thema durch Neuers körperliche Situation. Im Bundesliga-Heimspiel des FC Bayern gegen den 1. FC Köln (5:1) wurde der Torhüter in der 60. Minute angeschlagen ausgewechselt; der Verein sprach im Anschluss von muskulären Problemen in der linken Wade und davon, dass der Kapitän vorerst kürzertreten solle. Neuer selbst erklärte, er habe kein Risiko eingehen wollen. In diesem Kontext wirkt eine mögliche späte Festlegung auf ihn als WM-Stammkeeper umso erklärungsbedürftiger – nicht als Urteil über seine Klasse, sondern als Frage des Risikomanagements.
Matthäus kritisierte zudem, Nagelsmanns Auftritt im „aktuellen sportstudio“ habe „wenig zur Klärung beigetragen“. Damit bleibt für ihn die eigentliche Brisanz: Nicht ob Neuer sportlich helfen kann, sondern warum der DFB seine Linie in der Torwartfrage offenkundig verändert hat – und weshalb diese Wende ausgerechnet kurz vor der WM-Nominierung so unklar kommuniziert wurde.
Häufig gestellte Fragen
Quellen
- https://www.news.de/sport/859625155/matthaeus-kritisiert-dfb-kommunikation-in-neuer-frage-fc-bayern-muenchen-wm-news-der-dpa-aktuell-zu-wm-nationalmannschaft-bundesliga-und-tsg-hoffenheim/1/
- https://www.dfb.de/news/am-donnerstag-live-auf-youtube-nagelsmann-gibt-wm-kader-bekannt
- https://www.dfb.de/news/nagelsmann-die-nummer-eins-wird-baumann-sein

