MOMO im Münchner Volkstheater: Ein starkes Plädoyer für die verlorene Zeit


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MOMO: Wenn die Zeit auf der Bühne zu verschwinden beginnt
Am 7. November 2026 feiert MOMO am Münchner Volkstheater Premiere. Michael Endes zeitlose Geschichte über Freundschaft, Zuhören und den Widerstand gegen eine Welt der ständigen Beschleunigung wird vom Backstageklub als inklusives Theaterprojekt auf die Bühne 3 gebracht.
Ein Mädchen gegen die grauen Gestalten
Momo besitzt eine seltene Gabe: Sie hört den Menschen wirklich zu. Als geheimnisvolle graue Gestalten auftauchen und den Bewohnern einreden, ihre Zeit sparen zu müssen, verändert sich das Leben der Stadt. Die Menschen werden effizienter, aber auch kälter, einsamer und fremder. Momo macht sich auf, das zurückzuholen, was das Leben lebenswert macht.
Vielstimmige Inszenierung mit eigener Bild- und Klangwelt
Die Regie, Choreografie und das Bühnenbild von Rebecca Maria Fischer verbinden Schauspielkunst, Bewegung und visuelle Theatermittel. Speziell komponierte Musik von Danielle Lurie trifft auf vorproduzierte Schwarz-Weiß-Videos. Dadurch verschwimmt die Grenze zwischen Realität und Fiktion, während die Bühne in wechselnde Klang- und Lichtstimmungen getaucht wird.
Die grauen Gestalten erscheinen nicht nur als äußere Bedrohung. Sie werden zugleich zur inneren Stimme, zum Spiegel einer von Optimierung und Leistungsdruck bestimmten Gegenwart. Die Dramaturgie öffnet damit einen Raum für Fragen nach Empathie, Begegnung, Angst und Solidarität.
Inklusives Theater als gemeinsames Bühnenerlebnis
In Zusammenarbeit mit Refugio München entsteht eine inklusive Produktion mit 19 jungen Menschen im Alter von 12 bis 38 Jahren. Unterschiedliche Talente, Erfahrungen, Beeinträchtigungen und Perspektiven prägen die Inszenierung. Das Ensemble entwickelt eine vielstimmige Bühnenwelt, in der Präsenz, Rhythmus und gemeinsames Spiel die Handlung tragen.
Die Theateratmosphäre lebt von der unmittelbaren Begegnung: vom leisen Zuhören bis zum kraftvollen Auftritt der grauen Gestalten, von der akustischen Verdichtung durch Horn, Klavier, Celesta und elektronische Klänge bis zur irritierenden Wirkung des Stroboskoplichts. Die Aufführung wird ab zehn Jahren empfohlen.
Michael Endes Klassiker mit aktueller Dringlichkeit
Endes Momo gehört zu jenen Stoffen, die ihre Wirkung über Generationen hinweg entfalten. Die Geschichte spricht über Zeit, Konsum, Vereinzelung und die Frage, wie Menschen miteinander leben wollen. In der Münchner Inszenierung wird daraus ein gegenwärtiges Theatererlebnis, das Fantasie und gesellschaftliche Beobachtung miteinander verbindet.
Fazit: Zeit für ein Theater, das nachwirkt
MOMO lädt zu einem eindringlichen Bühnenerlebnis ein: poetisch, musikalisch, visuell und gesellschaftlich hellwach. Wer erleben möchte, wie eine inklusive Gruppe aus Michael Endes Klassiker eine eigene Bühnenwirklichkeit formt, findet hier einen Abend voller Bewegung, Klang und menschlicher Nähe. Die Premiere am 7. November 2026 beginnt um 19:00 Uhr auf Bühne 3 des Münchner Volkstheaters.
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