Offene Wunde im Münchner Volkstheater: Theater gegen das Vergessen


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Offene Wunde: Ein dokumentarischer Theaterabend über Erinnerung und Verantwortung
Am Dienstag, 27. Oktober 2026, öffnet das Münchner Volkstheater mit Offene Wunde einen Raum für Erinnerung, Trauer und gesellschaftliche Verantwortung. Das dokumentarische Theaterstück von Tunay Önder und Christine Umpfenbach erzählt vom rassistisch motivierten Attentat am Münchner Olympiaeinkaufszentrum am 22. Juli 2016 und richtet den Blick zugleich auf das Weiterleben der Angehörigen.
Wenn Erinnerung zur Bühnenhandlung wird
Die Inszenierung setzt nicht auf spektakuläre Effekte, sondern auf die Genauigkeit recherchierter Stimmen. Gespräche mit Angehörigen, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten, Politikerinnen und Politikern sowie Mitarbeitenden von Sicherheitsbehörden bilden das Material für einen Theaterabend, der gesellschaftliche Strukturen sichtbar macht. Im Zentrum stehen die neun jungen Menschen, die bei dem Anschlag ermordet wurden: Armela, Can, Dijamant, Giuliano, Hüseyin, Roberto, Sabine, Selçuk und Sevda.
Recherchetheater zwischen Dokumentation und Theatralisierung
Christine Umpfenbach führt Regie und verbindet dokumentarische Präzision mit einer behutsamen Bühnenform. Die Dramaturgie bewegt sich zwischen persönlicher Erinnerung, politischer Analyse und der Frage, wie eine Stadt mit rechter Gewalt umgeht. Bühne und Kostüm stammen von Evi Bauer und Pascale Martin, Video und Sound gestaltet Anton Kaun, das Lichtdesign verantwortet David Jäkel. So entsteht eine Theateratmosphäre, in der Sprache, Klang und Licht den Erinnerungsraum behutsam konturieren.
Ein Abend gegen das Vergessen
Offene Wunde erinnert daran, dass die Folgen eines Anschlags nicht mit dem Ende der Tat verschwinden. Die Produktion beleuchtet auch, wie die Angehörigen darum ringen mussten, dass der Anschlag als rechtsextremistische Tat anerkannt wurde. Die Regiearbeit von Christine Umpfenbach, die für ihre gesellschaftspolitischen Theaterprojekte 2014 mit dem Theaterförderpreis der Landeshauptstadt München ausgezeichnet wurde, verankert den Abend in einer dokumentarischen Bühnenkunst mit klarer politischer Haltung.
Publikumsnah, eindringlich und ohne Pause
Die Aufführung dauert 1 Stunde und 20 Minuten und findet ohne Pause statt. Inhaltlich werden Gewalt, Mord, Schusswaffen, Rassismus und rechter Terror ausdrücklich thematisiert. Das Bühnenerlebnis richtet sich an ein Publikum, das sich auf eine konzentrierte, anspruchsvolle und emotional fordernde Auseinandersetzung mit Münchens jüngerer Geschichte einlassen möchte.
Die Presse würdigte die Produktion als bedrückend und bewegend, zugleich als behutsame Verbindung von Dokumentation und Theatralisierung. Im Münchner Volkstheater wird daraus ein Gedenkabend, der den Blick auf die Opfer lenkt und an die Verantwortung der Zivilgesellschaft erinnert.
Fazit: Theater als Ort des Erinnerns
Offene Wunde verspricht kein bequemes Theater, sondern ein waches und notwendiges Bühnenerlebnis. Die Inszenierung macht die Namen, Biografien und Perspektiven der Opfer sichtbar und fragt, wie Erinnerung in einer demokratischen Gesellschaft weiterwirkt. Wer Theater als Ort der Auseinandersetzung und des Zusammenhalts erlebt, findet in diesem Abend einen eindringlichen Anlass, hinzusehen und sich berühren zu lassen.
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