Tide im Münchner Volkstheater: Tanztheater als pulsierende Reise durch innere und gesellschaftliche Gezeiten


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Tide: Tanztheater zwischen Körper, Rhythmus und gesellschaftlichen Gezeiten
Wenn sich Bewegung wie eine Strömung durch den Raum zieht, beginnt im Münchner Volkstheater eine choreografische Forschungsreise: Tide verbindet urbanen Tanz, experimentelle Formen und akrobatische Elemente zu einem intensiven Bühnenerlebnis über individuelle und kollektive Rhythmen.
Atmung als dramaturgischer Puls
Ein und Aus, vor und zurück: Die Inszenierung nimmt den menschlichen Atem als Ausgangspunkt und übersetzt ihn in eine bewegte Dramaturgie. Körper heben und senken sich wie Wellen, beschleunigen, stocken und finden erneut in einen gemeinsamen Rhythmus. Die Tänzerinnen und Tänzer werden zu Resonanzräumen, in denen persönliche Transformationen ebenso sichtbar werden wie gesellschaftliche Dynamiken.
Urbaner Tanz trifft experimentelle Bühnenkunst
Die Regie und Choreografie von Sophie Haydee Colindres Zühlke und Serhat Saïd Perhat führt unterschiedliche tänzerische Sprachen zusammen. Organische Bewegungslinien begegnen harten, akrobatischen Impulsen. Mal schwimmen die Körper gegen den Strom, mal lassen sie sich von einer unsichtbaren Strömung tragen. Dadurch entsteht eine Inszenierung, die weniger eine lineare Geschichte erzählt als Zustände, Kräfte und Beziehungen erfahrbar macht.
Bühnenbild, Kostüme, Licht und Klang als lebendige Partner
Anne Schwarzelt und Brooklyn Odunsi Ifeacho verantworten Bühne und Kostüme und schaffen einen visuellen Resonanzraum für die bewegte Komposition. Sounddesign und Lichtgestaltung verdichten die Atmosphäre: Der Bühnenraum wird zum pulsierenden Gefüge, in dem Akustik, Lichtstimmung und Körperarbeit ineinandergreifen. Die Schauspielkunst tritt hier zugunsten einer präzisen, körperlichen Präsenz zurück – jede Geste erhält dramaturgisches Gewicht.
Eine Uraufführung mit nachhaltigem Nachhall
Nach dem erfolgreichen Tanztheaterstück Grey setzen Colindres Zühlke und Perhat ihre gemeinsame künstlerische Arbeit fort. Tide feierte am 11. April 2026 Premiere und untersucht die Frage, welche Elemente im Strom der Ereignisse übersehen werden und wie sich neue Wahrnehmung eröffnen lässt. Die Aufführung dauert etwa 65 Minuten und findet ohne Pause statt.
Fazit: Ein Bühnenerlebnis wie eine innere Brandung
Tide erwartet das Publikum als körperlich präzises, visuell eindrucksvolles Tanztheater über Atem, Wandel und Zusammenhalt. Wer zeitgenössische Bühnenkunst, urbanen Tanz und ungewöhnliche Bewegungsdramaturgie unmittelbar erleben möchte, findet in dieser Aufführung einen Abend voller Energie, Spannung und sinnlicher Theateratmosphäre.
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