Tide im Münchner Volkstheater: Tanztheater zwischen Sog, Rhythmus und Widerstand


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Tide: Wenn Körper zu Resonanzräumen werden
Am Sonntag, den 18. Oktober 2026, verwandelt sich Bühne 2 des Münchner Volkstheaters in einen pulsierenden Erfahrungsraum. Tide ist ein Tanztheaterstück von Sophie Haydee Colindres Zühlke und Serhat Saïd Perhat, das den Wandel der Gezeiten als poetische Metapher für individuelle und gesellschaftliche Bewegungen begreift.
Atmung, Rhythmus und Bewegung
Ein und Aus, vor und zurück: Die Inszenierung setzt bei der elementaren Bewegung des Atems an. Wie ein Wellengang hebt und senkt sich der Körper, beschleunigt sich, hält inne und findet in einen neuen Rhythmus. Die Dramaturgie folgt dabei keiner linearen Handlung, sondern entwickelt sich aus Bewegungsimpulsen, Spannungen und Übergängen.
Urbaner Tanz trifft experimentelle Formen
In Tide begegnen sich organische Bewegungslinien, urbaner Tanz und harte akrobatische Elemente. Die Tänzerinnen und Tänzer bilden ein Ensemble in ständigem Wandel: Mal schwimmen sie gegen den Strom, mal lassen sie sich von einer unsichtbaren Strömung tragen. Persönliche Transformationen und gesellschaftliche Dynamiken werden so nicht erzählt, sondern körperlich erfahrbar gemacht.
Bühnenbild, Kostüme und Klang als Strömung
Anne Schwarzelt und Brooklyn Odunsi Ifeacho verantworten Bühne und Kostüme. Konstantin Hofmann gestaltet das Sounddesign, während Anja Sekulic die Lichtdramaturgie prägt. Zusammengenommen entsteht eine Theateratmosphäre, in der Akustik, Lichtstimmung und Körperlichkeit zu einer gemeinsamen Welle verschmelzen. Die Performenden werden zu Resonanzräumen, in denen sich Bewegung, Klang und Wahrnehmung überlagern.
Eine Uraufführung mit eigener Bewegungssprache
Die Regie und Choreografie liegen bei Sophie Haydee Colindres Zühlke und Serhat Saïd Perhat. Nach ihrem Tanztheaterstück Grey setzt das Künstlerduo seine Recherche zu körperlichen und sozialen Bewegungsformen fort. Die rund 65-minütige Aufführung kommt ohne Pause aus und konzentriert sich ganz auf die Verdichtung von Rhythmus, Raum und Schauspielkunst des Körpers.
Fazit: Ein Bühnenerlebnis zwischen Sog und Widerstand
Tide lädt das Publikum ein, Bewegung nicht nur zu betrachten, sondern als gemeinsame Erfahrung zu spüren. Zwischen urbaner Energie, akrobatischer Präzision und poetischer Abstraktion entsteht ein Tanztheaterabend über Wandel, Widerstand und die Kräfte, die Menschen miteinander verbinden. Wer zeitgenössische Bühnenkunst live erleben möchte, findet in dieser Aufführung einen atmosphärisch intensiven Abend im Münchner Volkstheater.
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