Maria Jarema im Lenbachhaus: Abstrakte Kunst als bewegtes Kunsterlebnis


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Maria Jarema im Lenbachhaus: Revolutionäre Abstraktion aus Krakau
Am 27. Oktober 2026 eröffnet im Lenbachhaus München die erste umfassende monografische Ausstellung in Deutschland über Maria Jarema. Die polnische Malerin, Bildhauerin, Druckgrafikerin und Bühnenbildnerin verband abstrakte Formensprache mit politischem Denken, körperlicher Ausdruckskraft und einer tiefen Nähe zum Theater.
Eine bedeutende Künstlerin der polnischen Moderne
Maria Jarema lebte von 1908 bis 1958 und prägte die avantgardistische Kunstszene Krakaus. Bereits 1932 gehörte sie zu den Mitbegründerinnen der Krakauer Gruppe, die sich gegen nationalistische Tendenzen an der Kunstakademie richtete. Ihre Kunst entstand im Spannungsfeld von gesellschaftlicher Verantwortung, künstlerischer Freiheit und der Suche nach einer neuen visuellen Sprache.
Jaremas Werk lässt sich nicht auf eine einzelne Kunstrichtung reduzieren. Einflüsse des Surrealismus, der internationalen Abstraktion und der europäischen Moderne verbinden sich mit einer eigenständigen, rhythmisch bewegten Formensprache. Auch die Kunst des Blauen Reiters war ihr vertraut. Ihre Bildflächen erscheinen als dynamische Räume der Konfrontation, in denen Formen aufeinandertreffen, sich durchdringen und zu offenen visuellen Erzählungen verbinden.
Malerei, Monotypie, Skulptur und Theater
Die Ausstellung versammelt Arbeiten aus allen Schaffensphasen. Zu sehen sind zahlreiche Gemälde, Monotypien, Skulpturen und Kostüme. Werke wie Teatr, Penetracje I, Chwyt, Rytm IX und Wyrazy zeigen, wie Jarema Bewegung, Rhythmus und körperliche Präsenz in abstrakte Kompositionen übersetzte.
Ihre langjährige Arbeit für das Theater erweiterte ihr Verständnis von Bild und Skulptur. Gemeinsam mit ihrem Bruder Józef Jarema war sie in der experimentellen Theatergruppe Cricot aktiv. Später gründete sie gemeinsam mit Kazimierz Mikulski und Tadeusz Kantor Cricot 2. Bühnenbild, Kostüm, Schauspiel und bildende Kunst verschmolzen dabei zu einem Gesamtkunstwerk.
Ästhetische Erfahrung zwischen Rhythmus und Bewegung
Jaremas Kompositionen entfalten eine besondere Ausstellungsatmosphäre. Linien, Farbflächen und organische Formen wirken wie Spuren einer choreografierten Bewegung. Die Werkbetrachtung führt von der geschlossenen Bildfläche in einen offenen Denkraum, in dem Malerei körperlich, zeitlich und beinahe theatral erscheint.
Gerade diese Verbindung aus Materialität, Form und Bewegung macht das Kunsterlebnis im Lenbachhaus besonders eindringlich. Monotypien lassen den Abdruck als schöpferische Handlung sichtbar werden, während Skulpturen und Kostüme den Übergang zwischen Bild, Körper und Bühne markieren. Die ästhetische Erfahrung bleibt dadurch nicht rein visuell, sondern spricht auch Raumgefühl, Erinnerung und Vorstellungskraft an.
Kulturelle Bildung und kuratorische Perspektive
Die Ausstellung wird von Stephanie Weber am Lenbachhaus kuratiert und entsteht in Kooperation mit dem Muzeum Sztuki Nowoczesnej w Warszawie. Das ursprüngliche kuratorische Konzept Maria Jarema: Cracked Modernism stammt von Éric de Chassey und Natalia Sielewicz. Führungen und Vermittlungsangebote eröffnen zusätzliche Zugänge zu Jaremas Biografie, ihrer Kunsttheorie und ihrer Bedeutung für die polnische Nachkriegsavantgarde.
Maria Jarema verstand Kunst als revolutionäre Praxis: nicht als bloßes politisches Instrument, sondern als Möglichkeit, Wahrnehmung zu verändern und gesellschaftliches Denken in Bewegung zu bringen. Diese Haltung macht ihre Arbeiten auch für die Gegenwart relevant.
Fazit: Eine Entdeckung der europäischen Avantgarde
Die Ausstellung Maria Jarema im Lenbachhaus verspricht eine konzentrierte Begegnung mit einer außergewöhnlichen Stimme der polnischen Moderne. Besucherinnen und Besucher erwartet ein vielschichtiges Kunsterlebnis aus Malerei, Skulptur, Druckgrafik, Theater und kultureller Geschichte. Wer abstrakte Kunst als körperliche, politische und poetische Erfahrung entdecken möchte, sollte diese Ausstellung in München unbedingt live erleben.
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