I WANNA CONTACT THE LIVING: Das Gespenstische von Canterville im Münchner Volkstheater


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Wenn das Gespenst nach Nähe sucht: I WANNA CONTACT THE LIVING in München
Ein uralter Fluch, ein unheimliches Schloss und eine verlorene Seele, die verzweifelt auf Reaktionen wartet: Mit I WANNA CONTACT THE LIVING – Das Gespenstische von Canterville bringt das Münchner Volkstheater eine eigenwillige Uraufführung nach Oscar Wilde auf die Bühne 2. Am Dienstag, 13. Oktober 2026, beginnt um 20:00 Uhr ein Bühnenerlebnis zwischen Grusel, schwarzem Humor und gesellschaftlicher Gegenwartsdiagnose.
Ein Geist, der niemanden mehr erschrecken kann
Das Gespenst von Canterville rasselt mit seinen Ketten, beschwört vertraute Bilder aus Horrorfilm und Schauergeschichte und stößt dennoch auf eine vollkommen unbeeindruckte moderne Familie. Der klassische Spuk verliert seine Wirkung. Aus der Geistergeschichte entsteht eine ebenso komische wie beunruhigende Frage: Kann sich eine aufgeklärte Gesellschaft überhaupt noch gruseln?
Autorin und Regisseurin Katharina Grosch nimmt Oscar Wildes Erzählung als Ausgangspunkt für eine Inszenierung über Angst, Abstumpfung und die Sehnsucht nach menschlichem Kontakt. Zwischen Nachrichtenbildern, Panikattacken und vermeintlich aufgearbeiteten Traumata erscheint der Grusel nicht als bloßer Schockeffekt, sondern als elementare soziale Erfahrung. Wer sich gemeinsam fürchtet, rückt näher zusammen.
Absurdes Theater mit Sinn für das Unheimliche
Die Dramaturgie verbindet die literarische Vorlage mit einem absurd-trashigen Setting und zeitgenössischen Gedanken über das Menschsein. Kleine Schreckmomente treffen auf abseitige Gedankengänge, während die Regie die Grenze zwischen Komik und Unbehagen bewusst verschiebt. Eine Pressestimme der Abendzeitung hebt die überraschenden und beglückenden Momente der Inszenierung hervor.
Das Bühnenbild und die Kostüme von Hanna Rode schaffen den visuellen Resonanzraum für eine Welt, in der das Gespenstische zwischen Schlossromantik, Popkultur und Gegenwartssatire auftaucht. Musik von Cico Beck und das Licht von Balthasar Lukas Pank verdichten die Theateratmosphäre zu einem akustischen und visuellen Wechselspiel aus Spannung, Irritation und schwarzem Humor.
Schauspielkunst zwischen Spuk und Verletzlichkeit
Maximiliane Haß, Liv Stapelfeldt und Marlene Markt verkörpern drei Gespenster, deren Spuk zugleich grotesk, überdreht und berührend wirkt. Ruth Bohsung ist als Ms. Umney Teil des unheimlichen Haushalts, Lena Brückner übernimmt die Rolle der Virginia. Die Schauspielkunst lebt von präzisem Timing, körperlicher Komik und der Fähigkeit, hinter der Maske des Schreckens eine verlorene Seele sichtbar zu machen.
Die Inszenierung dauert 1 Stunde und 50 Minuten ohne Pause. So entsteht ein konzentrierter Theaterabend, der seine Spannung nicht aus einer linearen Geistergeschichte schöpft, sondern aus dem Reiben zwischen literarischer Vorlage, Horrortradition und einer Gegenwart, die sich an beinahe alles gewöhnt hat.
Ein Münchner Theaterabend mit Nachhall
I WANNA CONTACT THE LIVING verspricht kein gewöhnliches Spukspektakel. Das Publikum erwartet eine atmosphärische, musikalisch verdichtete und gedanklich überraschende Inszenierung über Angst, Einsamkeit und die Kraft gemeinsamer Erschütterung. Wer Theater als lebendige Begegnung, als Reibungsfläche und als Ort ungewöhnlicher Perspektiven erlebt, findet hier einen Abend mit eigenem Ton.
Fazit: Katharina Groschs Bearbeitung von Oscar Wildes Das Gespenst von Canterville verbindet Grusel, Gesellschaftsanalyse und absurde Bühnenkunst. Erleben Sie das Gespenstische live im Münchner Volkstheater und entdecken Sie, warum ein kleiner Schauer manchmal die menschlichste Reaktion von allen ist.
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